Meine Laufhistorie

Und wie bin ich zum Laufen gekommen? Bis zurück zum Jahr 1976 konnte ich eine gewissen Leidenschaft
zurückverfolgen. Aber echte Ambitionen kamen natürlich erst später.

1970
Am Anfang meines Lebens war ich sehr lauffaul. Genau genommen gibt es kein einziges Fotos von mir vor meinem 18. Lebensmonat, wo ich schon stehe, geschweige denn laufe. Ich habe mich viel lieber den ganzen Tag in der Gegend herum tragen lassen. Das war ja auch viel einfacher. Nicht für meine Eltern, denn ich war ein ziemlich schweres Kind. :-) 
1976
Also wenn ich meinen Eltern glauben schenken darf (und die sind sehr zuverlässig), dann war die Geburtsstunde meiner Lauf- und Marathon-Leidenschaft der 31. Juli 1976. Damals sah ich als 7-jähriger den Marathonlauf der Olympischen Spiele von Montreal... und wollte auch laufen.
1984
Meine "Sportleidenschaft" blieb aber auch sehr im Verborgenen. Meine Rekordzeit von 19,8 Sekunden auf 100 Metern dürften auch heute noch Schulrekord sein. Und auch ansonsten war ich bei jeder nur erdenklichen Sportart eine Niete. Aber an einem Tag kurz vor den Ferien überraschte ich sie alle... und mich selbst irgendwie auch. Ich gewann einen Ausdauertest meines Lehrers, bei dem es "nur" darum ging, ihm so lange wie nur möglich in seinem Tempo hinterher zu laufen. Nach 90 Minuten waren nur noch er und ich übrig. :-)     
1986
Nach meinem Umzug von meiner Geburtsstadt Bremen nach Hamburg im Sommer 1985 entschied sich Hamburg, im Frühjahr 1986 den ersten Marathon auszutragen. Mit Laufen hatte ich immer noch nichts so richtig am Hut, beschäftigte mich mehr mit den Dingen, die man als 17-jähriger so tat... aber die Tatsache des nahen Marathons tat es mir schon an. Gerne würde ich mitlaufen, aber das schien weiter nur ein Traum.  
1989
Bundeswehrzeit. Nun war es eigentlich an der Zeit, dem Laufen etwas mehr Enthusiasmus entgegen zu bringen, aber so mit schweren Stiefeln und 25 Kilo Gepäck und das auch noch in Schlamm und Matsch entsprach nun nicht meiner Idee vom Laufen. 

So lief ich während der Zeit des Grundwehrdienstes (Goslar) mehr hinterher als mit. Das änderte sich erst nach meiner Versetzung nach Eckernförde im September 1989. Dort wurde man von einem laufverrückten Feldwebel nämlich vor die Wahl gestellt: Donnerstag um 13.30 Uhr Militärturnen... oder eine Runde um das Windebyer Noor herum laufen und dann Dienstschluß.

Die Runde ist 11,8 Kilometer lang, hat einige lange schwere Steigungen drin und ist zur Hälfte unbefestigt und bietet keine reelle Chance zur Abkürzung. Trotzdem erschien mir das immer noch besser als in Uniform durch dem Schlamm zu jagen. Also lief ich. zunächst jeden Donnerstag eine Runde... bald lief ich auch an einem oder zwei Abenden nach Dienstschluß zusätzlich. 

Am 6. November 1989 lief ich auf der 11,8 Kilometer-Runde mit 54:35,79 Minuten meinen Rekord. Lediglich zehn Tage später belegte ich in 46:47 Minuten bei einem 10-Kilometer-Querfeldeinlauf meiner Kasernen den vierten Platz. Dabei lief ich ganz wettkampfunerfahren die ersten fünf Kilometer sehr vorsichtig in rund 27 Minuten, um dann das Feld von hinten aufzurollen.  

1990
Das Laufen war zur Leidenschaft geworden. Ich lief die Runde egal bei welchem Wetter und manchmal lief ich sogar zwei Runden (23 Kilometer). Am 12. Februar 1990 schaffte ich die Doppelrunde einmalig unter zwei Stunden: in 1:59:35,49 Stunden.

Natürlich war jetzt auch alles klar für den Marathon am 20. Mai 1990. Doch sechs Wochen vorher gab mein Knie auf. Die Schmerzen machten das Trainieren unmöglich und mein Arzt wollte mich gleich unters Messer legen (sein Ausspruch als er das Röntgenbild sah: "Und das hält noch??"). Aber das nun ohne mich. Immerhin konnte ich noch schmerzfrei gehen und hatte keineswegs vor, mich mit 21 Jahren schon operieren zu lassen.

Den Marathon ging ich trotzdem an. Ich hatte ich ja angemeldet, da mußte ich es auch versuchen. Der Versuch endete aber nach 2:07 Stunden bei Kilometer 20. Näheres dazu auf der Marathonseite: Hamburg-Marathon 1990

1991-1996
Es folgte eine lange Laufpause. Nach dem Marathon-Aus und vor allem nach dem Ausscheiden aus der Bundeswehr war die Laufleidenschaft wieder eingeschlafen. Wieder zu Hause konnte ich mich nicht mehr wirklich zum Laufen aufraffen und mit dem Knie wurde es auch nicht besser. Jedes Verdrehen oder falsches Aufsetzen hatte wieder eine längere Periode mit Schmerzen zur Folge.

Was aber wirklich weh tat war etwas ganz anderes: Jedes Frühjahr wurden die blauen Striche auf dem Hamburger Asphalt erneuert. 42,195 Kilometer durch die Stadt. Und dann kamen die Berichte in den Zeitungen und alle sprachen von dem großen Lauf und dann kamen all die tausend Läufer... und ich war wieder nicht dabei.

Da war es nur ein schwacher Trost, daß ich zumindest Gehen konnte und daß ich im Urlaub in Skandinavien in der Regel  keine Probleme hatte, den ganzen Tag lang durch Städte und Wälder zu wandern und Berge zu besteigen. Auch wenn die Knie nicht mehr alles mitmachen wollten, so hatte ich zumindest die Kondition ein wenig behalten.  

1997
Im Frühjahr fing ich wieder mit dem Laufen an. Diesmal ging es mir aber weniger um den Marathon, als einfach darum, für meine im Sommer geplanten 95-tägigen Island-Reise fit zu werden. Dabei lief ich am 22. Mai 1990 im Volksdorfer Wald meinen auch heute noch gültigen 10-Kilometer-Rekord: 45:24,12 Minuten.

Die Island-Reise brachte für meine Laufhistorie zwei wichtige Ereignisse hervor: Zunächst am 11. August 1997 die 25 Kilometer Wanderung von Thorsmörk nach Skogar über den Fimmvorduhals (Fotos/Bericht). Ich schaffte die Hochgebirgstour, die für zwei Tage ausgelegt ist, in 6:59:24 Stunden (alle Pausen und die Zeit für 32 Minuten Videofilm und 40 Fotos sind da inklusive!) und überwand dabei wohl insgesamt 2500 Höhenmeter. Danach dachte ich mir: wenn ich das schaffe, dann sollte ich auf flacher Strecke, ohne Gletscher, ohne Gepäck, ohne Kamera und statt schweren Wanderstiefeln mit guten Sportschuhen doch einen Marathon in sechs Stunden schaffen.

Der Traum hielt 15 Tage. Am 89. von 95 Reisetagen stützte ich am Kverkfjöll vom Berg (Fotos) (Bericht). Nun ließen mich meine Verletzungen zwar noch leben, aber nicht mehr wirklich laufen. Während die Beine bald spürbar besser wurden, dauerte die Rehabilitation der Finger bis Ostern 2001.   

1998
Mit meinem Umzug an den Stadtpark kam im Sommer 1998 das Lauffieber wieder. Nichts zuletzt auch deshalb, weil ich eine nette Mitläuferin gefunden hatte. Aber leider endete auch diese Saison bereits im August mit heftigen Knieschmerzen, so daß ich das Laufen wieder sein ließ. 
1999
In diesem Jahr gab es nur einen Laufversuch und den mußte ich nach nicht einmal vier Kilometern wieder abbrechen. Und wieder war eine Hoffnung dahin. Was mir blieb war die Sehnsucht nach dem Marathon und natürlich die Sache mit dem Fimmvorduhals. Die Tour hatte ich doch auch geschafft. Und zwar ohne spezielles Training. Warum also nicht auch einen Marathon?

So kam ich auf die Idee, man könnte doch auch den Marathon ohne Training versuchen. Wenn mit Training eh nur das Knie kaputt geht, ich aber ohne Training über den Fimmvorduhals komme, dann scheint meine beste Chance zu sein, mit gesundem, wenn auch untrainiertem Knie die 42,195 Kilometer anzugehen.

2000
Am 14. März 2000 meldete ich mich für den 15. Hansaplast-Marathon in Hamburg an. Und am 16. April 2000 ging mein Traum dann endlich in Erfüllung. Alles zu meinem größten Tag auf meiner Marathonseite: Hamburg-Marathon 2000.
2001
Eigentlich hatte ich das Laufen eingestellt. Nach meinem Marathon-Triumph 2000 hatte ich eigentlich alles erreicht. Und so stellte ich mich am 22. April 2001 erstmals in meinem Leben zum Zuschauen an die Marathon-Strecke. Den Bericht dazu gibt es hier: Hamburg-Marathon 2001.

Danach stand für mich fest. daß ich nicht mehr nur zuschauen wollte. Ich wollte wieder mitlaufen. So meldete ich mich schon frühzeitig für den Hamburg-Marathon 2002 an und ließ mich auch nicht dadurch beirren, daß ich von Oktober bis ins neue Jahr hinein wegen Knieproblemen nicht laufen konnte.    

2002
Im April lief ich in Hamburg meinen zweiten Marathon (Bericht hier: Hamburg-Marathon 2002). Die Zeit war egal, aber ich hatte wieder das Gefühl des Zieleinlaufes und meine Medaille.
2003
An regelmäßiges Lauftraining war zwar nicht zu denken, aber je nach Zustand der Knie lief ich mal mehr und mal weniger. Hauptsache ich konnte laufen, wenn es mir schlecht ging und auch dann, wenn es mir gut ging. Neben meinem Lauf in Hamburg (Hamburg-Marathon 2003) wagte ich im September dann auch meinen ersten Auswärtsstart. Am 27.09.2003 lief ich in Berlin mit (Berlin-Marathon 2003).

Berlin war mein erster Lauf, wo ich meinen Fotoapparat mit auf die Strecke nahm. Diese Idee war genauso aus einer Not heraus geboren, wie die Idee, in leeren Fotodosen Isostar-Pulver mitzunehmen, um das Wasser an der Strecke ein wenig aufzupeppen. Anders als in Hamburg hatte ich in Berlin keine Helfer und auch keine Fotografen dabei.

2004
In diesem Jahr lief ich auf Grund persönlicher Geschehnisse (Hochzeit, Geburt meiner Tochter) "nur" einen Marathon mit, den in Hamburg (Hamburg-Marathon 2004). Es mein erster Lauf mit mp3-Player. So mit Musik lief es sich gleich etwas leichter. Zumindest eine Weile, denn bei Kilometer 35,5 gab das Kopfhörerkabel auf. Drei Lieder meiner damaligen Liedauswahl sind seither bei jedem Marathon dabei und bilden in der nachfolgenden Reihenfolge immer das Ende der jeweiligen Zusammenstellung:
Status Quo - Rockin' All Over the World
Katrina and the Waves - Love Shine a Light (extended Version)
FC St Pauli - You'll never walk alone

Mit den Laufpausen kamen die Kilos. Lag ich 1990 noch bei 74 Kilo und 2000 bei um die 80 Kilo, so lief ich 2004 schon mit knapp 85 Kilo umher. Das Übergewicht wurde mir spätestens klar, als ich auf der 2004'er Marathon-Messe in Hamburg einen Getränkegurt suchte und mir sagen lassen mußte, daß solche Gurte in meiner Größe nicht hergestellt würden. Ich hätte ja auch nicht gerade eine Läuferfigur. Uhm... 

2005
Irgendwie wurde es mir zu Hause wohl zu eng. Ich wollte raus und laufen. Und ich lief, wann immer meine Knie es mir erlaubten. Lange Runden durch den Stadtpark und die Alster entlang. Im Schnitt alle zwei Wochen einmal für rund 90 Minuten. Damit kann man zwar keine Marathon-Wunder vollbringen, aber es bringt einen einigermaßen sicher in der Zeit ins Ziel.

Jetzt begann auch das Herumreisen. Neben Hamburg (Hamburg-Marathon 2005) lief ich im September noch in Köln (Köln-Marathon 2005) und im Oktober in Amsterdam (Amsterdam-Marathon 2005). Amsterdam wählte ich nicht nur deswegen, weil ich dort Freunde habe, bei denen ich preiswert unterkommen konnte, sondern auch, weil es der 30. Lauf in Amsterdam war. Nach dem 30. Marathon von Berlin nun Amsterdam. Und längst hatte ich ein Auge auf einen ganz anderen 30. Marathon geworfen: Chicago 2007! 

Das Mehr an Laufen half leider nicht wirklich etwas gegen meine langsame aber stetige Gewichtszunahme. In Köln waren es 88 Kilo und in Amsterdam befürchtete ich gar, daß eine der vielen Brücken meine 90 Kilo nicht mehr tragen würde. Aber ich mußte schon noch auf 94,8 Kilo kommen (22.12.2005), ehe ich (beim BMI in der Kategorie "Übergewicht" angekommen) die Bremse zog. Binnen einen Jahres würde ich mein Gewicht auf 76,0 Kilo reduziert haben, was mir meine Knie wohl ewig danken werden. (Diät-Story)

2006
In der Wintersaison 2005/2006 lief ich wieder meine Runden im Volksdorfer Wald. Darunter auch so mancher Lauf bei Schnee und Eis, welches eigentlich die schönsten Läufe waren. Und endlich wurden meine Trainingsläufe regelmäßiger. Am Anfang des Jahres alle zwei Wochen und seit ich im Sommer mein Laufrevier wieder in den Stadtpark verlegt hatte, lief ich sogar einmal die Woche um die 90 Minuten. Es sei denn, mir kam gerade ein Marathon in die Quere.

Die Saison startete ich in Los Angeles auf Einladung eines guten Freundes (Los Angeles-Marathon 2006). Es folgte der Rekord-Lauf von Hamburg in erstmals unter fünf Stunden (Hamburg-Marathon 2006). Danach wollte ich eigentlich in Essen beim Ruhr-Marathon starten. Aber als der abgesagt wurde, nahm ich das Angebot an und startete am selben Tag in Prag, wo ich erstmals im Kostüm auf die Strecke ging (Prag-Marathon 2006).

Im Herbst lief ich dann noch zweimal unter fünf Stunden. Dabei verbesserte ich zunächst in Bremen meinen Rekord auf 4:50:15 Stunden (Bremen-Marathon 2006), um fünf Wochen später in Frankfurt mit 4:55:02 Stunden nochmals eine für mich sehr gute Zeit zu laufen (Frankfurt-Marathon 2006).

Das Erstaunliche aber war, daß je mehr ich lief, desto weniger Probleme bereiteten mir meine Knochen. Das mag sicher auch an meiner Diät gelegen haben, die mich Kilo um Kilo verlieren ließ (Diät-Story). Auch wenn ich mein Knie-Problem natürlich nicht völlig los geworden war und immer noch jeden Schritt sorgfältig setzen mußte, so waren die chronischen Dauerschmerzen nicht mehr vorhanden. Am liebsten wäre ich jede Woche einen Marathon gelaufen, aber das war weder finanziell noch körperlich machbar. Auch ohne Verletzungen brauchte ich doch mindestens eine Woche, ehe ich wieder an Laufen denken konnte.  

2007
Auch für dieses Jahr waren wieder mehrere Marathon-Läufe in verschiedenen Städten geplant. Wenn es nach mir ginge, sollten es sieben werden, denn dann würde mein absoluter Traum, der Chicago-Marathon mein 20. Marathon werden. Zudem sollte auch der eine oder andere 10-Kilometer-Lauf hier in Hamburg ins Programm.

Alles weitere dazu aber in meinem mit dem 21. Dezember 2006 gestarteten Lauf-Tagebuch

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