8. LLG Kevelaer Marathon 2010
10. Januar 2010

Ein Marathon Anfang Januar. Das ist so ziemlich konkurrenzlos. Nachdem in Hamburg aber der Elbtunnel-Marathon
wegen umfangreicher Tunnel-Renovierungsarbeiten abgesagt werden mußte, war Kevelaer meine nächste Wahl. 

Samstag, 09. Januar 2010

Kevelaer, 11.33 Uhr
Hauptstraße

Kevelaer liegt unweit der deutsch- holländischen Grenze in Nordrhein- Westfalen und ist mit dem Zug von Düsseldorf aus in einer Stunde in nordwestlicher Richtung fahrend zu erreichen.    

Kapellenplatz / Gnadenkapelle

Kevelaer ist als eine der wichtigsten Wallfahrtsorte Deutschlands bekannt. Man mag es kaum glauben, aber die Stadt mit rund 28.300 Einwohnern schleust jedes Jahr 800.000 bis zu 1.000.000 Wallfahrer durch den Ort.

Marienbasilika
Wasserturm
Kroatenkreuz

Als Erinnerung an den Überfall der Kroaten am 1. August 1635, bei dem 100 Einwohner getötet wurden.

Internet

Das war zu befürchten. Und mit "nur" starkem Schneefall waren wir noch gut dran. Den ganzen Samstag hatte es zum Schnee auch noch mächtig gestürmt. Erst zum Abend hin wurde es besser. Im Nord-Osten Deutsch- lands herrschte da schon Ausnahme- zustand. Ganze Orte und Landkreise waren von der Außenwelt abgeschnit- ten. Sturmtief "Daisy" hatte das Land fest im Griff. In Kevelaer war es da sehr harmlos.

Internet

Der Veranstalter reagierte promt und gab am Samstagmittag die Meldung raus, daß der Marathon "bei jedem Wetter" stattfinden würde. Das war auch notwendig. Denn die Zahl der besorgten Anrufer wuchs und wuchs.

Hauptstraße, 18.31 Uhr

Schön viel Schnee. Da machte ich mich auf die ca. 1,5 Kilometer raus zur Jugendherberge, dem Veranstaltungs- ort. 

Jugendherberge Kevelaer

Außerhalb des Ortes gelegen fand sich für die Jugendherberge ein sehr ruhiger Platz im Wald. Hier gab es die Pasta-Party und Sonntag war hier auch die Umkleide und die Startnum- mernausgabe zum Marathon.

Jugendherberge Kevelaer

Pasta war normal lecker. Wie so oft war die heiße Soße dazu da, die lau-warmen Nudeln zu erwärmen. Ein wenig konfus wurde diskutiert, wer nun eigentlich was bezahlen mußte. Läufer, Angehörige, Bewohner der Jugendherberge... uhm... zum Glück hatte ich vorreserviert. Ansonsten... sechs Euro für einen Teller Nudeln... naja...  

Kevelaer, Marienbasilika

Der Abend war so schön, da mußte ich einfach noch eine Rude durch die Stadt drehen. Zum Glück hat Rewe bis 22.00 Uhr offen, damit ich noch die letzten Stärkungen kaufen konnte.

Kapellenplatz / Gnadenkapelle

Irgendwie ist es im Dunkeln mit Schnee immer alles romantischer.

Kapellenplatz
Roemonder Platz

 

Sonntag, 10. Januar 2010

Jugendherberge Kevelaer
9.28 Uhr

Draußen war es kalt. Kein Wunder also, daß man sich nach abgeholter Startnummer und dem Umziehen so lange es ging drinnen aufhielt. Über Nacht hatte der Wind nachgelassen und es war nur noch ein wenig Schnee gefallen.

Jugendherberge Kevelaer
9.28 Uhr

Wer wollte konnte noch für wenig Geld ein Frühstück bekommen. Aber davon machte ich keinen Gebrauch. Es sah zwar alles sehr lecker aus, aber so kurz vor dem Start kriege ich nichts mehr runter. 

Jugendherberge Kevelaer
9.44 Uhr

Klasse Service. Die Stadtwerke von Kevelaer hatten die gesamte Strecke (6,195 Km immerhin) gestreut. Damit war die Gefahr eines Glatteisdramas eigentlich gebannt. 

Am Michelsweg
9.51 Uhr

Der Start lag gut 250 Meter von der Jugendherberge entfernt. Von hier aus ging es sieben Runden zu je genau sechs Kilometern und dann nach der siebten Runde gerade aus die letzten 195 Meter ins Ziel kurz vor dem Haus der Jugendherberge. Abgesehen von der sehr spitzen Wende hier auf den Matten alles kein Problem.

Als Zeitsystem kam der Mika Cham- pionchip zur Anwendung.

Am Michelsweg
9.59 Uhr

Kurz vor dem Start rottete sich dann das Feld zusammen. 400 Läufer sind das Maximum. Nach und nach wurden aber noch ein paar Nachmeldungen akzeptiert, so daß sich am Ende gut 450 Läufer angemeldet hatten. Davon kamen aber nur gut 260 zum Start. Bei den Witterungsbedingungen auch kaum ein Wunder. Aber... war hatten die im Januar erwartet?

Am Michelsweg
10.00 Uhr, Runde 1, Km 0,1

Ziemlich pünktlich der Start. Es wurde auch allmählich kalt am Start. Und so ging es auf die erste Runde.

Michelsweg
10.04 Uhr, Runde 1, Km 0,8

"Michelsweg" sollte man nicht mit verwechseln mit "Am Michelsweg", das sind zwei verschiedene Straßen. Naja... also hier ist es ein Waldweg.

Wissener Weg
10.08 Uhr, Runde 1, Km 1,5

Es war immer dasselbe. Zunächst 1,3 Km ab Start bzw. Wechselpunkt, dann eine 3,4 Km lange Runde und dann die 1,3 Km wieder zurück und dann alles wieder von vorne.

Hier nun der Beginn der 3,4-Km-Runde, die meist über freies Gelände führte und wenig fürs Auge bot.

Hoher Weg
10.15 Uhr, Runde 1, Km 2,8

Vor allem diese lange Gerade hatte es in sich, da sie ganz ohne Windschutz über flaches Land führte.

Apropos flach... der Kurs ist praktisch flach ohne nennenswerte Steigungen.  Erst so ab Runde 5 merkt man dann, daß dieser Part geringfügig über dem Anfangsstück liegen muß. Allerdings spürt man Gegen-/Rückenwind viel deutlicher.

Michelsweg / Wisserner Weg,
10.24 Uhr, Runde 1, Km 4,7

Dort wo der Anfangspart und die lange Schleife aufeinander treffen, gab es auf beiden Seiten der Strecke einen Verpflegungsstand. Insgesamt kam man so 14-mal an einem Ver- pflegungsstand vorbei. Wasser und Tee waren warm, die Coca-Cola leider eiskalt. Dazu gab es Honigkuchen und Obst.

Michelsweg
10.27 Uhr, Runde 1, Km 5,0

Dieses Anfangsstück (1,3 Km hin und 1,3 Km zurück) hatte es in sich. Jetzt kamen einem allenfalls mal Läufer entgegen, später wurde auch noch überrundet. Und für vier Läufer nebeneinander war dann doch kaum Platz. Man mußte also umsichtig laufen, was aber ganz gut klappte.

Michelsweg
10.28 Uhr, Runde 1, Km 5,2

Mitten im Wald hatte sich Leute mit sehr lauten Lautsprechern versam- melt, die auf gut 300 Meters bei jedem Vorbeilaufen für dröhnende Ohren sorgten. Das war auf der einen Seite ganz aufmunternd, störte aber auf der anderen Seite mein auf den mp3-Player gepackte Hörspiel ganz gewaltig. Aber dazu später mehr.

Am Michelsweg
10.32 Uhr, Runde 1, Km 6,0

Die erste Runde war geschafft. Die Strecke gut zu belaufen und die Kälte war erträglich. Mit 32:08 Minuten hatte ich die Runde 52 Sekunden schneller als geplant bewältigt. Aber es war ja auch nur eine von sieben Runden.

Am Michelsweg
10.32 Uhr, Runde 2, Km 6,1

Und damit ging die zweite Runde los. Gleich in der ersten Kurve war eine kleine Bühne, von der aus die ganze Zeit moderiert wurde. Und etwas Musik gab es auch. Aber nicht allzu laut... 

Hoher Weg
10.50 Uhr, Runde 2, Km 9,1

In Runde 2 kam etwas mehr Wind auf. Das spürte man vor allem auf dem sehr freien Feld. Aber ich hatte genug warme Klamotten dabei. Vor allem die eiligst noch drei Tage vor dem Lauf  gekaufte Windbreaker- Unterwäsche machte sich bezahlt.

Am Michelsweg
11.03 Uhr, Runde 2, Km 12,0

Runde 2 in 31:30 Minuten. Da lag ich locker unter dem geplanten Schnitt von 33 Minuten je Runde (5:30 Min/ Km).

Wissener Weg
11.11 Uhr, Runde 3, Km 13,5

Nun kam der Schnee. Zusammen mit dem scharfen Wind wurde das Laufen jetzt unangenehm. Da hoffte man nur noch, schnell wieder in den etwas schützenden Wald zu kommen. Und selbst dann waren es noch vier weitere Runden.

Michelsweg
11.33 Uhr, Runde 3, Km 17,5

Inzwischen hatte das Feld die ehemals feste Schneedecke kaputt gelaufen. Nun war es ein Laufen wie im feinen Sand. Man hatte hatte keinen Halt mehr. Der Veranstalter reagierte prompt und räumte knapp 500 Meter der Strecke per Hand schneefrei. Das nenne ich Leidenschaft. Ganz große Klasse !!   

Am Michelsweg
11.35 Uhr, Runde 3, Km 18,0

31:49 Minuten für die dritte Runde. Bei mehr Wind und Schnee und der teilweisen Seifenpiste sehr flott. Aber so allmählich wurde ich müde.

Wissener Weg
11.44 Uhr, Runde 4, Km 19,5

Was ein Bild. Ich laufe ein paar Meter VOR dem führenden Läufer eines Marathons. Ok... gleich wird er mich überrunden... und am Ende wird er weder gewinnen, noch ins Ziel kommen. Aber immerhin.

Ich find derweil an, mich Stück für Stück von Kilometer zu Kilometer zu schleppen. Dabei hatte ich noch nicht einmal die Hälfte geschafft. Die sollte ich dann später in 1:52:16 Stunden schaffen.

Am Michelsweg
12.08 Uhr, Runde 4, Km 24,0

32:54 Minuten für die vierte Runde und ich hatte nur noch schwere Beine. Und es waren immer noch drei ganze lange Runden zu laufen.

Winnekendonk
12.23 Uhr, Runde 5, Km 26,5

Kein Witz, so heißt der Ort wirklich, an dessen Rande ein Stück der Strecke entlang führte. Und da standen sogar ein paar Leute zum Anfeuern. Und es wurden jede Runde mehr.

Und ich wurde immer langsamer, dachte gar darüber nach, nach der fünften Runde aufzugeben.

Am Michelsweg
12.42 Uhr, Runde 5, Km 30,0

34:23 Minuten für die fünfte Runde spiegelt meinen Gemütszustand nicht wieder. Ich lief schon auf Reserve und jeder Schritt tat mir weh. Allerdings aufgeben kam irgendwie auch nicht in Frage. Da war mein Stolz dagegen. 

Hoher Weg
13.04 Uhr, Runde 6, Km 33,0

Bei Kilometer 32 hatte ich das Laufen eingestellt und ging. Wenn ich mal von den Bergen von Monschau (2008) absehe, bin ich seit Frankfurt 2006 (Marathon Nr. 13!!) nicht mehr so früh ins Gehen gekommen.

Hoher Weg
13.11 Uhr, Runde 6, Km 33,8

Bei Km 33 und 34 unternahm ich zwei Laufversuche und hörte nach kaum 100 Metern wieder auf. Es ging einfach nichts mehr. Ich kämpfte mich nur noch von Schritt zu Schritt. Was ein Glück, daß Wind und Schnee wie- der nachgelassen hatten. Vermutlich wäre ich sonst auf der Strecke einfach erfroren.

Michelsweg / Wisserner Weg,
13.18 Uhr, Runde 6, Km 34,7

Woran es lag? Das Hörbuch auf dem mp3-Player war zu sperrig. "Nachzug nach Lissabon" hatte ich vor diesem Marathon nicht einmal getestet. Nun zog es sich wie Gummi dahin. Dazu die kaum attraktive Strecke, die sieben Mal zu laufen war. Da war die sonst so oft aus Zuschauern, mp3-Musik und visuellen Eindrücken entstehende Motivation einfach verkümmert. Und ich hatte schlicht verpennt, dagegen anzukämpfen und mich dem Debakel kampflos ergeben. Eine schwache Vorstellung in einem Feld von lauter Marathon-Haudegen.

Am Michelsweg
13.29 Uhr, Runde 6, Km 36,0

48:44 Minuten für sechs Kilometer. Davon immer noch zwei gelaufen. Kaum noch gerade halten konnte ich mich, ging aber in die letzte Runde. Ein Laufversuch gleich zu Beginn von Runde 7 scheiterte nach nicht einmal zehn Schritten. Das war bei Kilometer 36.

Winnekendonk
13.48 Uhr, Runde 7, Km 38,3

"It's not over, 'til it's over". Wie wahr das doch ist. Es kam mein Comeback. Bei Km 36,7 war die Sache mit dem Hörspiel zu Ende und ich hatte noch vier "normale" Lieder mit drauf. Da wollte ich aber auch schon im Ziel sein.

Und plötzlich konnte ich wieder laufen. Am Anfang schnelles Tippeln, dann nach dem Verpflegungsstand (Km 37,3) normales Laufen und dann wurde es immer schneller.

Michelsweg
13.57 Uhr, Runde 7, Km 40,0

Ich lag nun bei 5:20 Min/Km, was sich aber anfühlte wie ein Spurt. Den Beinen ging es wieder blendend und jede Müdigkeit schien verflogen. Einen Läufer nach dem anderen konnte ich nun überholen.

Michelsweg
14.03 Uhr, Runde 8, Km 41,2

Nur noch ein Kilometer und ich wurde immer noch schneller. Keine Ahnung, wo die ganze Kraft herkam und erst recht keine Ahnung, wo die ganze Kraft auf den Kilometern 22 bis 36,7 gewesen ist.

Es ist schon erschreckend, wie sehr ich offenbar Marathons mit dem Kopf laufe.

Am Michelsweg
14.07 Uhr, Runde 7, Km 42,0

35:46 Minuten für Runde 7. Das ließ sich wieder sehen. Und endlich mußte ich nicht mehr die spitze Kurve laufen, sondern konnte geradeaus zum Ziel rennen. Bei meinem Tempo hätte ich die Kurve auch nicht geschafft.

Am Michelsweg
14.08 Uhr, Km 42,15

Endlich das Ziel- Direkt vor dem Anstieg zur Jugendherberge lag die so herbeigesehnte Zielmatte.

Am Michelsweg
14.08 Uhr, Km 42,195

4:08:10 Stunden. Gerade einmal 11:09 Minuten für die letzten 2,195 Km. In Bremerhaven 2009 (mein aktueller Marathon-Rekord mit 3:22:52 Std) brauchte ich für den Part 11:04 Minuten.

Aber egal... Hauptsache Ziel.

Jugendherberge Kevelaer
14.08 Uhr

Eine schöne lange Zielgerade und auch die war gut zu laufen. Wie man überhaupt sagen muß, der ganze Kurs gut bis sehr gut zu laufen war, wenn man mal an die Bedingungen denkt. Das Eis war gut abgestreut und wo es rutschig wurde, legte der Veranstalter noch während der Laufes Hand an und löste alle Probleme. Grandios !!

Jugendherberge Kevelaer
14.10 Uhr

Die Zielverpflegung war prima. Vor allem der heiße Tee tat gut. Anstatt einer Medaille bekam jeder Finisher einen Honigkuchen mit Daher hat der Marathon auch den Beinamen "Honigkuchenmann-Marathon". Also wenn man während der Laufens an den Verpflegungsstellen nicht essen wollte hatte man nun einen für zu Hause. Sehr sehr lecker.

Jugendherberge Kevelaer
14.17 Uhr

Ohne Medaille laufe ich nicht. Und wenn der Veranstalter keine verteilt bringe ich mir meine eigene mit.  Schon alleine der Medaille wegen darf ich nicht aussteigen.

4:08:10 Stunden reichten bei 245 Finishern zu Platz 140. Von 200 Männern wurde ich 126. und holte in der AK M40 Platz 35 von 39.

Aber in der Statistik spielt für mich nur eine Zahl eine Rolle: 42. Das ist nicht nur die Antwort auf alle Fragen, sondern auch der aktuelle Medaillen- Stand. 

Kevelaer ist ein sehr gut organisierter Marathon, der Anfang Januar kaum Konkurrenz hat. Das ist wohl auch gut so,
denn die Strecke ist kaum ansprechend. Trotzdem kann ich mir gut vorstellen, noch einmal in Kevelaer zu starten. Dann
besser motiviert und mit anderem Hörbuch. Versprochen.

Am 10. Januar 2010 sollten in der Region in und um Kevelaer eine ganze Reihe Sportveranstaltungen stattfinden: Hallen-
hockey, Handball, Volleyball, Hallentennis... sie alle Veranstaltungen wurden wegen schlechtem Wetter abgesagt. Nur
der Marathon, die einzige Outdoor-Veranstaltung, der fand statt.

        
Vor dem Lauf, 9.45 Uhr   Nach dem Lauf, 14.09 Uhr

Infos zum Marathon gibt es hier:
http://www.llg-kevelaer.de/


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